Im Labyrinth des Schweigen

24. September 2014

Giulio Ricciarellis Nachkriegsdrama „Im Labyrinth des Schweigens“ mit Gert Voss, Alexander Fehling und André Szymanski hat Mitte September auf dem Filmfestval im kanadischen Toronto seine Premiere gefeiert. Hier meine Filmkritik Für SR 2 KulturRadio.

Im Labyrinth des SchweigensFilmkritk „Im Labyrinth des Schweigens“ (Skript)
Deutschland 1958. Der Journalist Thomas Gnielka sorgt in einem Frankfurter Gerichtsgebäude für Aufruhr. Ein Freund Gnielkas hat einen Lehrer als ehemaligen Auschwitz-Aufseher erkannt, doch niemand will seine Anzeige aufnehmen. Deutschland 1958, es herrscht Aufbruchstimmung, es ist die Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders. Die schlimmsten Katastrophen des verlorenen Krieges sind überwunden. Verbrecher des NS-Regimes leben unerkannt und führen einen normalen Alltag.

Niemand möchte sich erinnern, sondern nur nach vorne schauen. Zu dieser Zeit haben die wenigstens jemals von Auschwitz gehört. Die, die von den Menschheitsverbrechen wissen, schweigen. Für den deutsch-italienischen Regisseur Giulio Ricciarelli unfassbar.

Auch der junge Staatsanwalt Johann Radmann, gespielt von Alexander Fehling, hat noch nichts von Auschwitz gehört, geht der Sache mit dem ehemaliger Aufseher, der als Lehrer arbeiten soll, aber nach. Er findet Aufschriebe aus dem Lager und legt sie dem Generalstaatsanwalt Fritz Bauer vor.

Schauspieler Gert Voss brilliert als Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Es ist seine letzte große Rolle, bevor er im Juli dieses Jahres verstarb. Regisseur Ricciarelli suchte jemanden, der diese sehr charismatische und fast überlebensgroße Figur des Fritz Bauer füllt. Für ihn kam nur Voss in Frage. Gert Voss spricht nicht viel Im Labyrinth des Schweigens, er beweist vielmehr, wie man mit nur wenigen Blicken unglaublich viel sagen kann. Sein Talent, seine Mimik und seine Aura haben auch den Hauptdarsteller Alexander Fehling schwer beeindruckt.

Staatsanwalt Johann Radmann begibt sich gegen alle Widerstände auf die bedingungslose Suche nach der Wahrheit. Die Recherche beginnt für ihn im Document Centre der US Army, in dem Hunderttausende Akten der Nazis aufbewahrt werden.

Ricciarelli es geht um die Opfer

Regisseur Ricciarelli inszeniert eine Geschichte über Mut, Verantwortung und den Kampf um Gerechtigkeit. Staatsanwalt Radmann gerät dabei an seine eigene Grenzen, aber auch an die eines Systems, das das Schweigen einfacher macht als das Erinnern. Zweifelnd darüber, ob er die Verfolgung der NS-Verbrecher aufgeben soll, besucht er das ehemalige Lager Auschwitz.

„Im Labyrinth des Schweigens“ zeigt keine nachgestellten Grausamkeiten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Fast jeder kennt diese Bilder aus Dokumentationen. Der Film wirkt viel subtiler. Opferprotokolle werden verlesen, Geschichten aus dem Lager erzählt, doch sie sind mit Musik unterlegt, man hört die Worte der Schauspieler nicht. Vielmehr spielt der Film mit der Fantasie des Zuschauers, beflügelt sie durch die ausdrucksstarke Mimik des Ensembles.

Alexander Fehling hat sich akribisch auf die Rolle des Johann Radmann vorbereitet. Während der Frankfurter Auschwitzprozesse durfte nicht gefilmt werden, jedoch gibt es 400 Stunden Tonmaterial. Fehling hat sich das morgens und abends angehört.

Der Film hält sich strikt an historische Fakten, Freiheit nimmt er sich nur in der Darstellung der jungen Staatsanwälte. Es ist bewusst kein Film über Fritz Bauer, der die treibende Kraft hinter den Frankfurter Ausschwitzprozessen war. Es ist ein Film über das Lebensgefühl der 50er Jahre. Über die Zeit der Verdrängung und ein Kapitel dieser Jahre, das unseren Umgang mit der eigenen Vergangenheit grundlegend veränderte.

 

Im Labyrinth des Schweigens

Giulio Ricciarellis Nachkriegsdrama „Im Labyrinth des Schweigens“ mit Gert Voss, Alexander Fehling und André Szymanski hat Mitte September auf dem Filmfestval im kanadischen Toronto seine Premiere gefeiert. Für SR 2 KulturRadio war Verena Klein dabei.

>>Zum Audio in der SR-Mediathek


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